Solistes vocaux

Philippe JAROUSSKY - Contre-ténor

Wenn er die Möglichkeit hätte, eine Zeitreise zu machen, hat Philippe Jaroussky kürzlich in einem Interview gesagt, dann wäre sein Traumziel London im 18. Jahrhundert. Dort würde er in die Covent Garden Opera gehen, „wo Händels Oper ,Ariodante’ gespielt wird, Carestini singt, und ich sitze in einem komfortablen Sessel und lausche ihm“

Carestini, dem berühmten Kastraten und Opernstar des 18. Jahrhunderts, hat Jaroussky gerade die fulminante Hommage-CD „A Tribute to Carestini“ gewidmet.

Vielleicht würden der junge Franzose und sein italienischer Vorläufer nach der imaginären Händel-Aufführung ein wenig fachsimpeln. Und vielleicht wäre Carestini bei dem freundschaftlichen Gespräch ein wenig neidisch darauf, dass Gesangskarrieren wie die seine im 21. Jahrhundert ganz ohne chirurgischen Eingriff möglich sind.

Philippe Jaroussky ist Countertenor. Davon gibt es seit dem Erfolg der Alte-Musik-Bewegung in den 70er und 80er Jahren viele. Doch Jaroussky ist eine Ausnahme. Mühelos klettert er mit seiner Stimme in hohe Sopranlagen und bewältigt virtuose Koloraturen mit schwebender Leichtigkeit.

Kein Wunder, dass der 30jährige mit Preisen derzeit nur so überhäuft wird. Im Dezember 2008 erhielt er den Midem Classical Award als „Sänger des Jahres“, kurz zuvor die Auszeichnung ECHO Klassik der Deutschen Phono-Akademie als „Sänger des Jahres“ entgegennehmen durfte – als erster Counter in der Geschichte des Preises.

Philippe Jaroussky (geb. 1978) studierte zunächst Violine, Klavier und Komposition an den renommierten französischen Musikakademien von Versailles und Boulogne. Sein Gesangsstudium begann er 1996 bei Nicole Fallien, daran schlossen sich Studien in Alter Musik bei Michel Laplenie und Kenneth Weiss an der Pariser Ecole de Musique National-Régional an.

Seine Schwerpunkte liegen hier im Opernrepertoire des Barock – besonders bei den Werken Antonio Vivaldis und Claudio Monteverdis. So war er in der Saison 2001/02 war er an einer erfolgreichen Produktion aller drei Monteverdi-Opern (inkl. „L’Orfeo“) am Pariser Théâtre des Champs-Elysées beteiligt, und sang außerdem Vivaldis „Catone in Unica“ an der Pariser Opéra Comique und Vivaldis „La Verita in Cimento“. Jaroussky brillierte aber auch in geistlichen Werken wie Monteverdis „Marienvesper“ und Pergolesis „Stabat Mater“ am Pariser Théâtre du Châtelet sowie in der Saison 2003/04 vor allem in der Rolle des Ruggiero in Vivaldis „Orlando furioso“ mit dem Ensemble Matheus unter Jean-Christophe Spinosi. Außerdem gab er ein triumphales Recital mit Händel-Opernarien in der Pariser Salle Gaveau.

Sein inoffizielles Deutschland-Debüt feierte Philippe Jaroussky 2004, als er für den erkrankten Andreas Scholl in einem Konzert mit italienischen Barock-Kantaten einsprang und das Publikum sofort eroberte. Sein offizielles und von Publikum wie Kritik gleichermaßen gefeiertes Deutschland-Debüt gab er dann ein Jahr später als Telemaco in einer Neuproduktion von Monteverdis „Il Ritorno d’Ulisse in patria“ unter René Jacobs an der Berliner Staatsoper.

Für November 2009 finden Konzerte mit Concerto Köln u.a. in Hamburg, Berlin, Köln und München statt.

Als Monteverdi-Sänger ist Jaroussky, der einen Exklusivvertrag mit Virgin Classics hat, auch auf der fulminanten CD „Teatro d’Amore“ des Ensembles L’Arpeggiata unter der Leitung von Christina Pluhar (ECHO Klassik 2009) vertreten – und zeigt darauf, wie gut sich Barock und Jazz miteinander verbinden lassen.

Dass er, dessen Bewunderung den großen Gesangsstars der Barockzeit gilt, inzwischen selbst zum Star geworden ist, sieht er mit gemischten Gefühlen, denn, so sagt er,  „alles, was fashionable ist, hat meist eine kurze Verfallszeit. Und ich hoffe, dass die klassische Musik noch sehr lange gefragt ist. Wenn ich mein Image jedoch dazu nutzen kann, viele - vor allem junge Menschen - für diese Musik zu begeistern, dann bin ich gern ein Star“.

© S. Fowler

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